Ende April 2017 soll per Senatsbeschluss ein gänzlich generalüberholter Studienplan für das Magisterstudium Jus auf den Weg gebracht werden. Dieser ist in Kernpunkten jedoch durchaus nicht unumstritten.

Sehr lange wurde mit den möglichen neuen Inhalten bzw. der neuen Konzeption und Struktur des zu ändernden Studienplans hinter dem Berg gehalten. Erst jetzt, knapp drei Monate vor dem erwartbaren Beschluss, wird zumindest ein wenig Transparenz geschaffen. Dass die Umstrukturierungen nicht etwa im Netz auf der Seite der AG-geführten Fakultätsvertretung, sondern nur als versteckte Notiz auf deren Facebookseite stehen, spricht Bände über Anspruch und Realität bei den entscheidungserheblichen Gremien.

Kern der neuen Regelung wird die Verwerfung einer Vielzahl der bisherigen Voraussetzungsketten. Die Pflichtübungen des zweiten und dritten Abschnitts sollen komplett abgeschafft werden und die zugeordneten ECTS den zugehörigen Modulprüfungen aufgeschlagen werden. Seitens der FV wird bereits beruhigend erläutert, dass deren Schwierigkeitsgrad und Umfang jedoch nicht entsprechend erhöht wird. Dies wäre ausgehend vom aktuellen Stand so oder so nur schwer möglich gewesen. Medienkompetenz und die verschiedenen finanzwissenschaftlichen Kurse sollen jeweils zusammengelegt werden, und die Wahlfächer-ECTS um 8 Punkte angehoben werden. PÜ sollen aber auch nur um diese Punktzahl anrechenbar sein.

Auf den ersten Blick stellt sich für Erstsemestrige ab dem kommenden Wintersemester eine erhebliche Erleichterung und Entkomplizierung des Studiums ein. Die Abschaffung der Voraussetzungsketten orientiert sich in erfreulicher Weise stark am bundesdeutschen Examenssystem und setzt sich stark von der Verschulung durch das Bachelor- und Mastergebilde ab. Gerade weil diverse PÜs und Kurse von der Teilnehmerzahl stark begrenzt waren, erschien es vielen Studenten bislang nicht möglich, in zeitökonomischer Art und Weise zu studieren.

Darin wird jedoch auch ein Nachteil für bereits aktive Jusstudenten ersichtlich. In Zukunft wird die Möglichkeit, in Mindeststudienzeit oder gar schneller zu studieren, deutlich erleichtert. In einer Zeit, in der Arbeitgeber in allen Berufsfeldern auf die zügige Ausbildung ihrer jeweiligen Bewerber einen großen Fokus legen, ergeben sich dort handfeste Probleme für diejenigen, die in der Übergangszeit studieren. Denn direkte, studienverkürzende Vorteile für Höhersemestrige ergeben sich nicht. In dieser Hinsicht scheint das System sehr unausgegoren.

„Im Interesse der Studentenschaft hätte sich der RFS eine viel frühzeitigere Benachrichtigung der Betroffenen erwartet, um auch Partizipationsmöglichkeiten zu bieten“, so der RFS-Landesgeschäftsführer Christopher von Mengersen, der im zweiten Abschnitt Jus am Juridicum Wien studiert. „Hoffentlich werden seitens der Curricularkommission hinsichtlich der Kompensation bereits aktiver Studenten noch Änderungsvorschläge präsentiert. In der aktuellen Form ist der aktualisierte Studienplan aus der Sicht unserer Fraktion noch viel zu unausgegoren“, äußert von Mengersen abschließend.

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